Meran gedenkt der Opfer des 30. April 1945

Im Beisein von Vertreter*innen zahlreicher Zivil- und Militärbehörden fand heute Vormittag am Theaterplatz die jährliche Gedenkfeier statt, um die Erinnerung an die Meraner Bürger wachzuhalten, die an einem Montag vor 81 Jahren bei einem sinnlosen Blutbad ums Leben kamen.

Veröffentlichungsdatum:

30.04.2026

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Im Beisein von Vertreter*innen zahlreicher Zivil- und Militärbehörden fand heute Vormittag am Theaterplatz die jährliche Gedenkfeier statt, um die Erinnerung an die Meraner Bürger wachzuhalten, die an einem Montag vor 81 Jahren bei einem sinnlosen Blutbad ums Leben kamen.

30. April 1945: Soldaten der Wehrmacht schießen auf die in der Freiheitsstraße - auf der Höhe der Kreuzung mit der heutigen 30.-April-Straße - den Vormarsch der "Resistenza" feiernden unbewaffneten Bürgerinnen und Bürger. Acht Menschen kommen dabei ums Leben. Etliche weitere werden verletzt.

GruppenfotoVon links: Bürgermeisterin Katharina Zeller, der beigeordnete Vizepräfekt beim Regierungskommissariat für die Provinz Bozen, Gianluca Facchini, und Oberst Yuri Franco Di Profio, Kommandant des Alpini-Regiments Julia, bei der heutigen Gedenkfeier auf dem Theaterplatz.Um die Erinnerung an die Opfer dieses sinnlosen Gewaltausbruchs wachzuhalten und gleichzeitig die Werte der Freiheit, der Demokratie und der Gleichberechtigung zu feiern, fand heute Vormittag am Theaterplatz die traditionelle Gedenkfeier mit Kranzniederlegung statt. Mit dabei waren auch Gianluca Facchini, beigeordneter Vizepräfekt beim Regierungskommissariat für die Provinz Bozen, Bürgermeisterin Katharina Zeller sowie der Kommandant des Alpini-Regiments Julia, Oberst Yuri Franco Di Profio.

"Wir sind heute hier versammelt, um an den 30. April 1945 zu erinnern – ein Tag, der sich tief in die Geschichte Merans eingeschrieben hat und der bis heute in unserer gemeinsamen Erinnerung weiterlebt. In jenen Tagen ging der Krieg zu Ende. Europa stand an der Schwelle zu einem Neuanfang, getragen von der Hoffnung auf Freiheit und Frieden. Auch hier war diese Hoffnung spürbar. Und doch traf die Gewalt gerade in diesen Stunden noch einmal: Unschuldige Menschen verloren ihr Leben, und eine tiefe Wunde blieb in unserer Stadt zurück. Dieses Gedenken ist mehr als ein Blick in die Vergangenheit. Es ist ein Auftrag für uns alle. Denn Erinnerung bedeutet nicht nur, der Opfer zu gedenken – sie bedeutet auch, Verantwortung für unser Handeln heute zu übernehmen", betonte Bürgermeisterin Zeller in ihrer Ansprache.

"Wir leben in einer Zeit, die uns erneut auf die Probe stellt. Kriege, internationale Spannungen, gesellschaftliche Ängste und wachsende Ungleichheiten prägen unseren Alltag. Wir erleben, wie aggressive Sprachweisen, gefährliche Vereinfachungen und autoritäre Tendenzen wieder auftauchen, von denen wir dachten, sie gehörten der Vergangenheit an. Allzu oft wird der Gegner zum Feind, und das Anderssein wird als Bedrohung empfunden. Deshalb ist die Erinnerung so wichtig. Sich zu erinnern bedeutet zu verstehen, dass Demokratie niemals ein für alle Mal gesichert ist. Es bedeutet zu wissen, dass Frieden jeden Tag neu aufgebaut werden muss: mit sozialer Gerechtigkeit, mit glaubwürdigen Institutionen, mit mündigen Bürger*innen. Und es bedeutet auch, wachsam zu bleiben. Zu erkennen, dass Ausgrenzung und Hass oft leise beginnen – mit Worten, mit Gleichgültigkeit, mit dem fehlenden Respekt gegenüber dem anderen. Meran ist eine Stadt, die von ihrer Vielfalt lebt: von unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Lebensgeschichten. Gerade deshalb wissen wir, wie wertvoll Dialog und Zusammenleben sind. Unsere Stadt ist dann stark, wenn niemand zurückgelassen wird, wenn Unterschiede zur Bereicherung werden und wenn Respekt über Abschottung steht. Diese Haltung ist keine Selbstverständlichkeit – sie muss jeden Tag neu gelebt werden. Die Opfer des 30. April 1945 heute zu ehren, bedeutet daher, eine konkrete Verpflichtung einzugehen: die Freiheit zu verteidigen, den neuen Generationen Bürgersinn zu vermitteln und jeder Form von Rassismus und Gewalt entgegenzutreten. Es bedeutet, eine geeinte und solidarische Gemeinschaft aufzubauen, die in der Lage ist, in die Zukunft zu blicken, ohne die Vergangenheit zu vergessen. Diese Gedenktafel erzählt nicht nur von dem, was war. Sie spricht zu uns, heute. Sie erinnert uns daran, dass Geschichte auch von den täglichen Entscheidungen jedes Einzelnen abhängt. Erinnerung bewahren heißt, Verantwortung übernehmen. Danke an alle, die an der heutigen Gedenkfeier teilgenommen haben", so Zeller.

ZellerErinnerung als Verantwortung: Bürgermeisterin Katharina Zeller bei ihrer Rede anlässlich der heutigen Gedenkfeier für die zivilen Opfer vom 30. April 1945.

„Die brutale Ermordung wehrloser Menschen, die in einem friedlichen Umzug des Nationalen Befreiungskomitees durch die Straßen der Stadt zogen, um die Befreiung zu feiern, lässt uns unweigerlich an die Kriege von heute denken, an Verbrechen gegen die Menschlichkeit, an zivile Opfer und an die Notwendigkeit, sich niemals mit dem Recht des Stärkeren abzufinden, sondern jeden Tag für Frieden, Menschenrechte und die Würde der Menschen einzutreten. Die Republik feiert ihr 80-jähriges Bestehen, ebenso wie die Erlangung des Wahlrechts durch die Frauen. In diesem Land wurde bis 1948 nicht gewählt, und trotz des weitsichtigen Abkommens De Gasperi-Gruber und des ersten Statuts blieben die Gegensätze stark. Und doch war das moralische Erbe der beiden schwachen, aber lebenswichtigen antifaschistischen und antinazistischen Widerstandsbewegungen, nämlich des CLN und der Gruppe um Hans Egarter vom Andreas-Hofer-Bundes, wichtig, um den Dialog auch in den schwierigsten Momenten aufrechtzuerhalten. Zwischen dem 30. April und dem 3. Mai 1945 wurden die Deportierten des Lagers Bozen befreit. Unter ihnen waren zwei Frauen, die den Widerstand geleitet hatten, eine von außen, Franca Sosi Turra „Anita“, die andere „von innen“, Ada Buffulini. Voller Freude verfassten sie zwei Flugblätter, eines für den 1. Mai und ein weiteres, um sich an die Südtiroler zu wenden, die Verfehlungen des faschistischen Regimes ihnen gegenüber anzuprangern und Rechte und Würde zu garantieren. Ferdinando Visco Gilardi, der Partisan „Giacomo“, verlässt das Lager genau am 3. Mai, wird zum Vizepräfekten ernannt und gerät sofort in Streit mit dem Präfekten Bruno De Angelis, weil ein deutschsprachiger Vizepräfekt ernannt werden soll. Hans Egarter kämpft für die Selbstbestimmung und diskutiert heftig mit den „italienischen“ Partisanen, doch als der Friedensvertrag geschlossen wird, schreibt er 1947 einen großartigen Brief an die ANPI, in dem er sagt, dass man den Sinn des gemeinsamen Kampfes gegen Faschismus und Nationalsozialismus verraten würde, wenn man nicht in der Lage wäre, gemeinsam eine bessere Zukunft aufzubauen. Es ist ein dünner Faden, der glücklicherweise nie gerissen ist und der nach und nach von neuen Generationen aufgegriffen wird, um Autonomie und Zusammenleben aufzubauen und diesen Weg auch heute fortzusetzen. Die Erinnerung also als Bewusstsein, das täglich, heute und morgen, und nicht nur gestern, jenes 'Nie wieder' aufbaut, das wir uns gegenseitig versprechen. Dieses 'Nie wieder' scheint leider jeden Tag widerlegt zu werden, denn es gibt Kriege, Diktaturen, alten und neuen Rassismus, vielleicht getarnt als falsche Versprechungen wie die 'Remigration', Diskriminierungen, Verletzungen der Menschenrechte und der Würde der Menschen, Ungerechtigkeiten, aber der Sinn, es zu bekräftigen, besteht darin, neue Hoffnungen zu schaffen. Die konkrete Umsetzung der Grundsätze der Verfassung, die aus dem Widerstand hervorgegangen ist und die auch die Grundlage unserer Autonomie und unseres Zusammenlebens bildet, ist sicherlich der beste Weg, um der Opfer des 30. April zu gedenken, damit ihr Opfer nicht umsonst gewesen ist“, bekräftigte der Präsident des Landeskomitees des Partisaneverbandes ANPI, Guido Margheri.

Im Rahmen der Gedenkfeier lasen Patrizio Zindaco und Luise Lutt einige Texte – auf Italienisch und Deutsch – zum Thema Befreiung und Widerstand vor, musikalisch begleitet von Rolando Biscuola.

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Zuletzt aktualisiert: 30.04.2026, 12:46 Uhr

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