Leistbares Wohnen: Stadt Meran bündelt Kräfte in neuem Kompetenzzentrum

Gemeinde vernetzt Urbanistik, Soziales und Vermögen – Wohnraumstudie soll Bedarf und Entwicklungspotenziale für die kommenden 10 bis 15 Jahre aufzeigen.

Veröffentlichungsdatum:

30.09.2026

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Gemeinde vernetzt Urbanistik, Soziales und Vermögen – Wohnraumstudie soll Bedarf und Entwicklungspotenziale für die kommenden 10 bis 15 Jahre aufzeigen.

GruppenfotoVon links: Vizebürgermeister und Vermögensstadtrat Nerio Zaccaria, Bürgermeisterin Katharina Zeller und Sozialstadtrat Stefan Frötscher. Leistbares Wohnen ist eine der dringendsten Herausforderungen für Meran. Steigende Wohnkosten und ein knappes Angebot treffen längst nicht mehr nur Menschen mit niedrigem Einkommen, sondern zunehmend auch Familien, junge Menschen und die Mittelschicht. Die Stadtgemeinde will deshalb ihre Aktivitäten in diesem Bereich deutlich verstärken und vor allem besser koordinieren.

Dazu wurde innerhalb der Gemeindeverwaltung ein Kompetenzzentrum Wohnen eingerichtet, in dem das Amt für Urbanistik, das Sozialamt und das Vermögensamt eng zusammenarbeiten. Mit der Leitung wurde Giulia Marra betraut. Ziel ist es, die verschiedenen Instrumente der Wohnraumpolitik an einer Stelle zusammenzuführen, konkrete Projekte voranzutreiben und die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Ämtern zu beschleunigen.

„Wohnen ist ein Grundbedürfnis und leistbarer Wohnraum eine der zentralen sozialen Fragen unserer Stadt. Immer mehr Menschen haben Schwierigkeiten, in Meran eine Wohnung zu finden, die sie sich auch leisten können. Hier müssen wir dringend gegensteuern und vor allem schneller werden“, erklärt Bürgermeisterin Katharina Zeller. „Dafür brauchen wir beides: konkrete Projekte, die möglichst rasch neuen Wohnraum schaffen, und eine langfristige Strategie, die sicherstellt, dass Meran auch in zehn oder 15 Jahren eine Stadt bleibt, in der Menschen mit unterschiedlichen Einkommen leben können.“

Die Studie

Die Stadtgemeinde hat deshalb das Architektenkollektiv LIA mit einer umfassenden Wohnraumstudie beauftragt. Erste Ergebnisse liegen bereits vor, abgeschlossen werden soll die Studie innerhalb April 2027. Diese Studie schätzt den Wohnraumbedarf Merans für die nächsten 15 Jahre und zeigt auf, wie und wo er potenziell gedeckt werden kann. Meran zählt heute 42.178 Einwohnerinnen und Einwohner, 2041 werden es rund 44.800 sein. Das Wachstum wird fast ausschließlich auf Zuwanderung beruhen, während die Bevölkerung altert und die Haushalte immer kleiner werden: Fast die Hälfte besteht aus nur einer Person. In den letzten 15 Jahren wurden 1.983 Wohnungen gebaut (rund 130 pro Jahr), und laut Prognosen werden bis 2041 mindestens 1.200 neue Wohnungen benötigt. Dieser Bedarf könnte ohne zusätzlichen Bodenverbrauch gedeckt werden – durch die Umnutzung brachliegender Gewerbeflächen, die Nachverdichtung bestehender Wohnbauzonen und das Militärareal als langfristige Reserve. Die zentrale Herausforderung ist daher nicht nur, wie viel gebaut wird, sondern wo, wie und zu welchen Preisen: Es braucht leistbaren Wohnraum, vor allem für junge und ältere Menschen, begleitet von Grünflächen und einer guten Versorgung in den Stadtteilen.

MarraGiulia Marra, Leiterin des Kompetenzzentrums Wohnen.Dabei geht es nicht darum, die Stadt möglichst schnell und möglichst dicht zu verbauen. „Die große Herausforderung wird sein, neuen und leistbaren Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig die Schönheit und die Lebensqualität unserer Kurstadt zu bewahren“, betont Zeller. „Wir wollen hochwertige Lebensräume und lebendige Stadtviertel schaffen – keine Schlafburgen. Wohnen muss deshalb immer gemeinsam mit öffentlichen Räumen, Grün, Mobilität, sozialen Angeboten und einer guten Durchmischung gedacht werden.“

Potenziale gibt es an mehreren Stellen: bei der Umnutzung geeigneter Gewerbeflächen, wie sie bereits im Masterplan vorgesehen ist, auf dem Kasernenareal, durch eine qualitätsvolle Verdichtung bestehender Wohnbauzonen und durch die Aktivierung von Leerstand. Hinzu kommen langfristige Entwicklungsreserven. Im Zuge des neuen Gemeindeentwicklungsprogramms wird unter anderem geprüft, welche heute noch als landwirtschaftliches Grün ausgewiesenen Flächen innerhalb des bestehenden Siedlungsgebiets künftig in die Siedlungsgrenze aufgenommen werden sollen. Entscheidend ist dabei, die Entwicklung der Stadt langfristig zu planen und Boden gezielt dort einzusetzen, wo tatsächlich leistbarer Wohnraum entsteht.

Parallel zur strategischen Planung wird bereits mit Hochdruck an konkreten Lösungen gearbeitet. Auf dem ehemaligen Gritsch-Areal sollen in absehbarer Zeit rund 60 neue preisgebundene Wohnungen entstehen, davon 40 Prozent als Genossenschaftswohnungen. Auch die Entwicklung des gemeindeeigenen Areals in der 1.-Mai-Straße ist in Ausarbeitung. Dort sollen insbesondere neue Mietwohnungen geschaffen werden.

Gleichzeitig prüft die Stadtgemeinde die Möglichkeiten einer Ausschreibung für den Ankauf schlüsselfertiger Wohnungen von privaten Bauträgern. Damit soll die Gemeinde zusätzlichen Wohnraum erwerben können, ohne bei jedem Projekt selbst als Bauherrin auftreten zu müssen. Außerdem wird daran gearbeitet, bestehendes öffentliches Eigentum besser zu nutzen und aufzuwerten. Dazu zählen etwa die ehemalige Schule in Gratsch und das Postgebäude in Obermais.

Für Vizebürgermeister und Vermögensstadtrat Nerio Zaccaria ist dabei insbesondere die aktivere Rolle der öffentlichen Hand entscheidend: „Wir können es uns nicht leisten, gemeindeeigene Grundstücke und Immobilien ungenutzt zu lassen, während gleichzeitig Wohnraum fehlt. Wir müssen unser Eigentum gezielt einsetzen, bestehende Gebäude aufwerten und gleichzeitig neue Wege gehen, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Mit dem Kompetenzzentrum gibt es nun endlich eine Stelle, an der diese verschiedenen Möglichkeiten zusammenlaufen und konsequent vorangetrieben werden können.“

Der Bedarf ist dabei sehr unterschiedlich. Besonders groß ist in Meran das Defizit bei Mietwohnungen zu gedeckelten und sozialen Mietpreisen. Gleichzeitig braucht es Wohnmöglichkeiten für Menschen in besonderen sozialen Situationen – etwa für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, Menschen ohne Wohnung oder Personen, die kurzfristig Unterstützung benötigen. Daneben sollen weiterhin Möglichkeiten geschaffen werden, Eigentum zu leistbaren Bedingungen zu erwerben, insbesondere über preisgebundene Wohnungen und Genossenschaftsmodelle.

Sozialstadtrat Stefan Frötscher unterstreicht deshalb die soziale Dimension der Wohnungsfrage: „Eine sichere und leistbare Wohnung ist die Grundlage dafür, dass Menschen ihr Leben selbstständig gestalten können. Fehlt sie, entstehen sehr schnell weitere soziale Probleme. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir nicht erst reagieren, wenn Menschen in eine Notlage geraten, sondern Wohnungs- und Sozialpolitik gemeinsam denken. Mit dem Kompetenzzentrum arbeiten Sozialwesen, Urbanistik und Vermögensverwaltung endlich koordiniert an Lösungen.“

Das neue Kompetenzzentrum soll auf Grundlage der Wohnraumstudie die verschiedenen Maßnahmen bündeln, priorisieren und in konkrete Projekte übersetzen. Dabei geht es sowohl um kurzfristig aktivierbare Möglichkeiten als auch um die strategische Stadtentwicklung der kommenden zehn bis 15 Jahre. „Wir wissen, dass es beim Wohnen keine schnelle Einzellösung geben wird. Deshalb müssen wir an vielen Stellen gleichzeitig ansetzen – und genau das tun wir jetzt“, so Zeller. „Wir können es uns nicht leisten, weitere Jahre zu verlieren.“

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Zuletzt aktualisiert: 30.09.2026, 14:37 Uhr

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